Samstag, 24. September 2016

Cliffhanger


Video der Woche

Aus der Schweiz kommt dieses geniale Juwel eines NonProfit Videos - und obwohl dahinter ein Bundesministerium steht, ist es höchst unterhaltsam.

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Organe spenden - ein leicht morbides Thema, und doch haben sich die Leben-ist-Teilen-Kampagnenbetreiber des schweitzer Bundesministeriums für Gesundheit auf Humor als tragendes Element verlegt. Von mir dazu zweimal kurze Gedanken bzw. Tipps:

1) Humor geht immer!

Kaum ein TV-Spot kommt ohne Humor aus. Online ist das kaum anders. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Es gibt kein Thema, bei dem sich Humor verbieten würde. Kürzlich haben wir eine humorvolle Youtube-Serie mit und über Flüchtlinge gestartet (Zukar), und es ist eines der erfolgreichsten Medienprojekte zum Thema 2016 geworden.
Ein Mitarbeiter eines Ministeriums meinte einmal zu mir: "Unsere Videos dürfen nicht lustig sein. Weil wir ja keine Unterhaltung machen dürfen." - nun, das ist erstens nicht wahr (die Schweizer hatten keine Scheu, und kein Gesetz verbietet das) und zweitens auch professionell nicht richtig. Humor ist nichts anderes als ein Kommunikations-Tool. Warum soll man nicht Humor für ernste Zwecke Nutzen?
Es behauptet doch auch niemand, Politiker dürften nicht hübsch sein, Medizin nicht gut schmecken und Unterricht nicht spannend sein. Ganz ehrlich, in welcher Welt leben manche Kommunikations-Abteilungen?

Humor ist Menschlich, macht uns menschlich und verbindet Menschen.

2) Wie geht Humor?

Es gibt einen zweiten Spot derselben Kampagne. Hier ist der Humor nicht ganz so stark - es ist nicht so witzig wie der Spot oben:

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Der Grund? Jeder gute Witz benötigt eine dramturgische Wendung am Ende - die Pointe. Die muss dann auch sehr überraschend und absurd sein, aber dem Vorangegangenen einen komplett neuen Sinn geben. Dazu darf man zunächst mal NICHT wissen, dass die beiden über eine Klippe hängen. Oder in Lebensgefahr schweben, wie auch immer. Der erste Spot erhöht diese Spannung dadurch, dass auch das Thema Organspende nicht gleich klar ist. Dadurch wird die Wendung verstärkt. Beim zweiten Spot hingegen wissen wir vom Thema Organspende schon vor der Pointe - und können erraten, dass beide wohl in einer brenzligen Situation sind. Wie macht man Humor? Dadurch, dass man Spannung aufbaut und dann möglichst schlagartig auflöst - wie bei einem Flitzebogen. Und darum fliegen lustige Videos wie ein Pfeil auch weit hinaus und erreichen unsere Zielgruppe.

Eine schöne Woche - von Eurem Jan Heilig.


Samstag, 3. September 2016

Die ersten 360° NonProfit Videos


Video der Woche

Die Sommerferien sind vorbei - und der nächste Trend jagt durch die Youtube-Welt: Virtual Reality 360° Videos - prominent hier von den United Nations zum Thema Ebola.

ACHTUNG - das Video sollte man auf einem Smartphone ansehen und dabei mal eine Pirouette machen.

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Ja - es ist schon sehr beeindruckend. Und gerade startet auch in Deutschland Google eine 360° Challenge für junge Leute, die Videos zum Thema "Gemeinsam gegen Hass" prämieren. Virtual Reality NonProfit Videos sind sicherlich nicht das neue große Ding,  Virtual Reality aber schon - man denke an den Pokemon Sommer, den wir hinter uns haben (oder nicht).
Die Produktion von 360° Video ist jedenfalls heute kein Hexenwerkt ist - die 360° Kamerasetups gehen bei Ebay für 150 € über den virtuellen Ladentisch - und geschnitten wird bei einem normalen Video (Tutorial für Adobe Premiere hier), den Rest erledigen dann Youtube und die Smartphone Bewegungssensoren.


Zunächst mal sind diese Videos einfach ein neues Gadget - und daher eher für junge Zielgruppen interessant.

Die UN hat mit Waves of Grace dennoch  Bronze bei den Lions in Cannes 2016 bekommen, obwohl das nun wirklich nicht eine Jugend-Thema ist, aber naja, sie waren vielleicht die ersten mit 360° Videos. Sehenswert ist das allemal. Und weil das Storytelling viele NonProfit Organisationen darin besteht, den Zuschauer mitzunehmen in die Zielregionen der Hilfsarbeit, kann es durchaus einen ganz neuen Einblick bieten, den es so noch nie gegeben hat: Mitten in der Szene zu sein. 

Montag, 25. Juli 2016

Musik ist einfach besser


Video der Woche

Der Paralympics Spot 2016 vom UK-Channel 4 ist - muss man ganz bescheiden zugeben - einer der besten NonProfit-Videos 2016. Drei Minuten geballte Kraft - und 2 Millionen Zuschauer nach nur einer Woche (die alle mind. 2 Min dran geblieben sind, eine Meisterleistung, sonst sind Werte von 10% üblich). Zurücklehnen und genießen:

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Gute Paralympic-Videos gibt es zuhauf - ich erinnere an "Sie starren dich an" aus 2015. Aber heute geht es mir um einen Vergleich - es gibt aktuell ein ähnlichen Spot für das Belgische Paralympics-Team.

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Diesen Spot darf man getrost als misslungen bezeichnen (knapp über tausend views), weil er schlicht langweilig ist. Der Grund?

1) Klassische Sprecherstimme, die uns markant und mit rauher Stimme ein paar harte Trainingsmaschinen vorstellt, die ihren Sixpack zur Schau stellen. Na gut, er könnte auch für Malboro Werbung machen. Wie einzigartig dagegen ist eine swingende 40er Jahre-Stimme aus dem Rollstuhl. Jeder Song ist besser als Gelaber!

2) No Fun - der Channel 4 Spot hat Humor und spielt permanent damit. Alleine die beiden Unterbrechungen der Musik sind sehr gekonnt eingesetzt. Der Spot aus Belgien hat so gut wie keinen Unterhaltungswert - es gibt einfach nichts zu sehen, was man nicht schon tausendmal gesehen hat.

3) Keine Augenhöhe - mein Persönlicher Eindruck - denn bei Channel 4 sind die Parlympic-Athleten die Erzähler, die Protagonisten. Vor allem das macht sie so stark, so glaubhaft selbstbestimmt. Sie erzählen mir, was sie bewegt. Beim belgischen Spot wird von einer fremden Stimme über sie erzählt, und "powerd by Rio" klingt fast so, als wenn sie eben nur mit groszügiger Hilfe soweit gekommen sind...die Armen.

Ich als Zuschauer habe ja sicher auch Probleme - und identifiziere mich lieber mit Leuten, denen es schlechter geht, die mir aber sagen: Yes I can! - und damit klar machen: Du schaffst es auch, wenn wir es schon schaffen! - Was für eine tolle Botschaft, wenn sie mir etwas geben, und was für starke Typen - ich wäre gerne in deren Team. Ein besseren Eindruck kann ein NonProfit Spot kaum erreichen.


Dienstag, 12. Juli 2016

Batman mag Kinder


Video der Woche

Superhelden bringen nicht nur Umsatz - sondern sind auch gut im Fundraising.

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Das Video der niederländischen Sektion der Hilfsorganisation WAR Child ist erst ein paar Tage alt, aber schon jetzt haben es die ersten Multiplikatoren-Plattformen geteilt. Immerhin ist es perfekt geeignet, um die "Funny Video der Woche" Rubriken zu füllen - eine Strategie, die immer mehr NonProfit Videos heute gehen, um eine gewisse virale Verbreitung zu erfahren.

Darf man einfach so Batman als Werbeträger verwenden? Schwieriges Thema. Üblicherweise gilt "Fair Use" nach amerikanischem Recht für NonProfit Einsatz in gewissen Grenzen als ok, das ist eine Grauzone. Ein Original Filmauszug wäre schwierig, ein Mann im Batmankostüm ist schon eher möglich. Man kann es also machen, sollte aber mit einem Rechtsanwalt bzw. auch mit dem Rechteinhaber (hier DC  Comics) sprechen. Ob die Produktionsfirma Bee on set productions aus Beirut im Libanon das gemacht hat, konnte ich nicht herausbekommen.

Ich persönlich finde es den Aufwand allemal wert - Batman ist ein Held aus der Kindheit der heutigen Onlinespenderzielgruppe. Wie bei mir. 

Samstag, 2. Juli 2016

England ist raus - und Frauen haben Angst


Video der Woche

Brexit und EM-Niederlage. Wer leidet am meisten?

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Ok, das Video stammt aus 2014 und war damals zur Fußball WM erschienen. Aktuell ist es dennoch. Wir haben schließlich die Hooligans aus England, Deutschland und Russland in Lille gesehen, oder? Wenn schon nicht in den geschönten UEFA-Bildern, dann zumindest in der Tagesschau (und beim großartigen Rayk Anders natürlich).

Gewalt nach jedem Fußballmatch ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Und das hört auch nicht auf, wenn die Fans nach Hause kommen, wie man aus den traurigen Statistiken ablesen kann.

Ja, ich gebe zu, ich habe es zum "Video der Woche " gemacht, weil es grad so schön zum anstehenden Finale der EM passt. Stimmt doch. Und Trittbrett fahren macht im Augenblick sowieso  jeder, oder? Versucht mal im Supermarkt einen Artikel zu kaufen, der noch NICHT mit der EM beworben wird.

Dieser TV-Spot der UK-NonProfit Organisation Tender  für ihre #STANDUPWORLDCUP Kampagne ging auch online viral. Grund war NICHT die passende Uhrzeit - im Umfeld der WM. Sondern die inhaltliche Nähe: Ganz sicher haben sehr viele Menschen innerlich genickt. Besonders die Betroffenen. Weil es leider einfach wahr ist. Fußball = mehr häusliche Gewalt.
Die thematische Nähe war gegeben, und für manche mag es ein Augenöffner gewesen sein, weil sie es innerlich schon wissen.
Es hätte wenig gebracht, bei der WM oder EM für den Erhalt des Regenwaldes zu werben, weil ja auch der Fußball-Rasen so schön grün ist.

Lernstück heute: Spring als Video-Campaigner nicht auf jeden Zug auf, der grade vorbeirauscht. Er muss auch in die richtige Richtung fahren, sonst bringt es nichts. 

Sonntag, 12. Juni 2016

Das Video vom unbelasteten Helfer.


Video der Woche

Ging der letzte Post um Peru, so kommt das heutige Video aus Brasilien: Diese TV- und Online-Videokampagne handelt von einer ganz besonderen Aktion für Flüchtlinge - und anders als in unser polarisierten Debatte in Deutschland ist der Helfer hier 100%ig unvoreingenommenen.

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Das besondere ist die Perspektive: Der Hund erzählt - aber das erfahren wir erst am Ende. Die Spannung wird genau durch diesen dramaturgischen Kniff aufrechterhalten. Die Auflösung des Rätsels kommt zeitgleich mit der Linderung, die der Therapiehund dem geflüchteten Kind bringt.

Lernstückchen No1: Emotionale Doppelung ist immer Verstärkung. Wenn Story & Dramaturgie den Zuschauer auf mehreren Ebenen zur selben Erfahrung oder Emotion führen.

Aber auch sonst ist die Aktion der NGO Inataa aus Sao Paolo beeindruckend.

Lernstückchen No2 : Ja, auch nach Brasilien fliehen Menschen aus Syrien.
Traurig aber wahr: Kriege haben immer globale Folgen. 

Sonntag, 22. Mai 2016

Ich will Dich! - Ein Lehrstück als Seifenoper.


Video der Woche

Ein Lehrstück in Dramaturgie, dieses Video aus Peru - und auch das richtige Medium, nämlich Seifenoper:

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Seifenorpern sind in Lateinamerika - wie auch in Indien - TV-Volksdroge Nr 1, und ratet mal das Geschlechterverhältnis der Zuschauer.

Dieser NonProfit TV-Spot setzt auf genau dieses Format - und nutzt dann einen doppelten Spannungs-Effekt, nämlich Neugier aufgrund der Irritaton und natürlich die gute alte Steigerung:
  1. Alle Seifenopern-ZuschauerInnen wollen vor allem eines wissen: Kriegen sie sich am Ende? Oder nicht? Die ganze Szene hier steuert auf Laura's JA oder NEIN zu..
  2. Ab dem Augenblick, an dem unser Held plötzlich harte Wahrheiten in blumige Worte kleidet, fragen wir uns alle: Warum? Wo geht das hin? Und warten natürlich bis zum Ende, 
Und die Antwort ist dann auch perfekt terminiert: Auf dem Gipfel der Spannung.  Das Video bricht genau an der Stelle ab, an der wir Laura's Antwort erwarten. Und liefert seine Botschaft aus: Eine Telefonnummer.

Zielpublikum: FernsehzuschauerINNEN, davon ganz sicher eine Menge, die genau diese Notrufnummer des Flora Tristán Frauenzentrum in Lima kennen sollten.

Erstaunlicherweise liegen nämlich 14 der 25 Länder mit der höchsten Gewalt gegen Frauen nicht in der arabischen Welt, sondern in Lateinamerika (International Policy Digest).

Lektion: Nicht nur die Story, auch das Erzähl-Format muss möglichst gut zur Zielgruppe passen! Eine Binsenweisheit eigentlich, aber ich staune immer wieder, wie oft das übersehen wird...