Ein NonProfit Film für NonProfit Filmemacher? Ok, da sind schon ein paar Meta-Ebenen drin versteckt. Aber die Story der beiden lesbischen Mädchen reißt trotzdem mit. Warum? Na, schon Goethe wusste: Liebe ist, was die Welt / Im innersten zusammenhält.
Die dramaturgische Wende am Ende ist nun wirklich perfekt - denn sie überrascht, aber sie bringt gleichzeitig genau auf den Punkt, wofür hier geworben wird: Filmworkshops für junge LGBT-Community-Mitglieder. Sehr schön.
Die Facts: Das Video wirbt für die sehr kleine NGO-Aktion Mythicbridge lokal vor Ort in NewYork. Zielgruppe ist die junge LBGT-Community. Alles noch taufrisch - der Film ist 2 Wochen alt. Und es macht ja total Sinn, um Filmworkshops zu finanzieren, einen sehr hochwertigen Filmclip zu erstellen, oder? Sie haben schon eine ansehliche Liste von Sponsoren gewonnen - u.a. die Washington Post. Etwas, das durchaus mit der Qualität der Filme, die da entstanden sind, zusammenhängen wird.
Manchmal ist nicht Masse entscheidend. Ich würde sogar vermuten, dass hier die Sponsoren den Löwenanteil beisteuern. Und die schmücken sich nun mal lieber mit Filmen hoher Güte - Mythicbridge Mitglieder sind mit den Clips im Gepäck zum Sundance Filmfestival gefahren und haben jemand von Canon für zukünftige Sponsorenschaft gewonnen. Bravo!
FAZIT: Video muss nicht immer hohe Klick-Quote haben, um ein Erfolg zu sein. Er muss nur der Zielgruppe gefallen. Und wenn das einhundert mögliche reiche Sponsoren-Firmen sind...tja dann.
Alle Jahre wieder bittet uns Edeka eindringlich, uns mal so richtig lieb zu haben. Bimmel Bammel - Weihnachtszeit - da werden kommerzielle Anbieter zu Propheten der Menschlichkeit. Ach so - und bitte kauft Eure Weihnachtsgeschenke einfach bei uns.
Ein Beispiel gefällig? Der folgende Spot war auch für mich bis zum Schluss nicht als kommerzieller Clip zu erkennen.
Ein Pharmakonzern bringt die Generationen wieder zusammen. Eine starke Botschaft - tja, die haben NonProfits nicht für sich gepachtet. Das Setup ist 1:1 ein Klon von ach so vielen NonProfit-Statement-Spots.
Ein anderer Beispiel, das wir alle kennen, ist Opa. der an Weihnachten seinen Tod vortäuschte. Um mal endlich alle zum Festtag zusammen zu bringen. 2015 war das, hat 50 Millionen Views erreicht. Passend mit Hashtag #heimkommen, immerhin ist Edeka ein sogenannter "Nah-Versorger" - bei dem wir dann gleich noch die Weihnachtsgans kaufen können.
Eins vorneweg: Ich halte das nicht für unlauter, wenn kommerzielle Anbieter so gutmenschenhaft daherkommen. 'Kommerziell' ist ja noch nicht per se ein Synonym für 'falsch, durchtrieben und inhuman' - auch einem Pharmaunternehmen muss man nicht von vorneherein unlautere Absichten unterstellen, nur weil sie Geld verdienen wollen. Interessant ist aber doch, wie Anleihen aus NonProfit-Clips wirklich 1:1 in die Profit-Kampagnenwelt überwechseln. Da werden Firmen zu Aktivisten, etwa Always Ultra mit Like a girl. Es gibt Flashmobs wie bei Telekom, 40 Millionen Aufrufe, sowie hochemotionale Come-Together Stories mit Social Media - etwa dieses Jahr mit dem Edeka Song zum '#Zeitschenken. Hach!
Kann man sich drüber aufregen. Aber hier zwei gute Reaktionen, die mehr Sinn machen:
1) Formate, die von kommerziellen übernommen werden - tja, deren Haltbarkeitsdatum ist in meinen Augen deutlich abgelaufen. Try something NEW! Warum gibt es noch keinen NonProfit Carpool-Karaoke-Clip? Ja! Googelt das ruhig mal.
2) Noch besser fände ich, den Spieß einfach umzudrehen. Als NonProfit mal typische Profit-Strategien einzusetzen - ironisch ist das auf jeden Fall. Können man nicht Aktien verkaufen für Katastrophenhilfe, hm?
Norwegische TV-Werbung von 2011 mit einem äußerst gelungenen NonProfit-Clip über ein "Blind Date" (sorry, das Wortspiel konnte ich mir nicht verkneifen):
Der norwegische Blindenverband hat mit diesem Clip (Agentur Try advertising) auf äußerst geschickte Weise für die Einstellung von Blinden geworben. Gelungen, weil "Sex sells?" Das auch - aber man kann noch viel mehr daraus lernen.
1) Apell an Eigeninteresse - statt an Menschlichkeit
Dieser Clip hat zwar ein NonProfit-Ziel, jedoch eine Profit-Zielgruppe. Er will Interesse bei Arbeitgebern erzeugen, über die Einstellung von Blinden nachzudenken. Und dazu appeliert er hier ganz direkt an die Eigeninteressen - ein sinnvolles Vorgehen, das jeder nachvollziehen kann, der schon mal Sponsoringverträge mit Firmen für seine NGO oder Stiftung aushandeln musste. Natürlich geschieht es hier nur mit einem Augenzwinkern. Aber der Motivator ist hier ganz klar nicht selbstlose Menschenliebe. >> Kenn deine Zielgruppe & Kenne ihre Motivationen. <<
2) Sub-Message
Natürlich konzentrieren wir uns zunächst komplett auf die Sex-Szene - und dann auf den Witz am Ende, als das Geheimnis aufgelöst wird, warum der Mitarbeiter sich nicht an dem Office-Sex stört: Genau! Weil er blind ist. ABER während diese hochgradig lustige und spannende Szene erzählt wird, gibt es eine zweite Geschichte, die wir als nebensächlich einstufen und die daher sehr sublime direkt zu uns spricht: Dieser Mitarbeiter ist außerdem GUT in dem was er tut. Er ist fleißig, kümmert sich um neue Technik und außerdem ist er sehr symphatisch. Das alles wird sozusagen in einem Sub-Text als Nebenhandlung erzählt. Aber Bilder haben Macht - sie bleiben haften. Umso mehr, als sie so "nebenbei" daherkommen. So wie wir Coka Cola unweigerlich mit Leuten am Strand in Verbindung bringen - oder einen Austin Martin mit James Bond. Der lustige Spot etabliert auch einen sympatischen Blinden, den sich jeder Arbeitgeber doch nur wünschen kann. >> Sub-Messages können stärker wirken als jeder Call2Action. <<
3) Sex sells
Ist es der Sex hier nötig? Sehen wir uns zum Vergleich einen weiteren Spot an, der exakt dieselben Story-Elemente enthält - jedoch ohne den Sex auskommt:
Ich glaube, jeder wird mir zustimmen, dass der Clip weit abfällt hinter dem ersten. Der Grund ist eben die fehlende Würze, die der Office-Sex dem ganzen hinzufügt. Grenzüberschreitung war und ist immer schon das Element, das Spannung erzeugt.
In NonProfit-Organisationen herrscht große Zurückhaltung, wenn es um Erotik als Element des Storytelling geht. Gebrandmarkt von der schamlosen Reduktion von Frauen auf ihren Körper in der kommerziellen Werbung. Kann ich gut verstehen. Aber viele NonProfits hatten kein Problem bei der Reduktion von Notleidenden auf ihre Not und auf reine Empfänger unserer Mildtätigkeit. Das ist mindestens genauso ein Sündenfall.
Ich persönlich halte Erotik und Sex für etwas völlig Menschliches, einen enorm hohen Motivator und gepaart mit Humor auch für ein extrem gutes Mittel des Storytelling. Es kategorisch auszuschließen ist schlicht eines: Schade. - es gehört doch zu uns, oder? Es gilt eine einfache Grundregel: >> Wer Respekt vor Menschen hat, der wird auch Sex im Storytelling richtig umsetzen. <<
Wer von Euch hat schon mal ein Video mit dem Handy aufgenommen für einen guten Zweck? Hier kommt eine geniale Idee dazu: Kevin F. Adler hatte sich folgende Frage gestellt: Jeder Obdachlose hat doch fast immer noch Familie? Und diese sind die Ersten, die ihnen helfen könnten. Aus einer Eingebung heraus bot er einigen Obdachlosen in seiner Umgebung an, eine Botschaft für ihre Familien aufzunehmen. Mit dem Handy, ganz simpel. Er recherchierte in Netzwerken ihrer Heimat nach ihren Familien und fand sie, in dem er in das Video in dortigen Facebook-Gruppen postete. Auf diese genial einfache Weise gelang es ihm mit Miraclemessages, ca. 40% der Teilnehmer von der Straße zu bekommen.
Söhne, die sich nach 20 Jahren melden, Väter, die ihren Kindern einen Gruß senden... was für eine unglaublich starke Botschaft. Seht selber:
Selber ausprobieren? Dazu hab ich in einem GoogleDoc mal ein paar sehr einfache Grundregeln aus der Do-It-Yourself Praxis zusammengestellt: 5 Tipps für Handy Videos
Ich halte Video-KnowHow heutzutage für absolutes Basis-Handwerkszeug in der NonProfit Kommunikation. Es ist inzwischen soooo einfach und Video ist schon lange Content No1 in den sozialen Medien. Per Handy ist jeder heutzutage in der Lage, überall auch ganz spontan Videos aufzunehmen. Nutzt es!
Videoschnitt?
Videos drehen ist nicht schwer, Schneiden dafür umso mehr.Viele nutzen den Windows Movie Maker oder ähnliches. Nachteil: zu limitiert. Andere nutzen Profiprogramme wie Adobe Premiere. Nachteil: Viel zu lange Einarbeitungszeiten - das ist was für Profis. Für die goldene Mitte habe ich auch nach Jahren nur ein Programm gefunden, das ich empfehlen kann - es ist perfekt für Einsteiger, allerdings muss man beim Installieren aufpassen, wegen Zusatz-Software. Es kostet wenige Euro und ist sein Geld allemal wert: Video Pad Editor von NHC (ca. 45,-€)
Und wer sich nicht an den Schnitt traut: Wir bieten dafür günstige Stundenkontingente an.
Wer von Euch hat schon mal ein Video mit dem Handy aufgenommen für einen guten Zweck? Hier kommt eine geniale Idee dazu: Kevin F. Adler hatte sich folgende Frage gestellt: Jeder Obdachlose hat doch fast immer noch Familie? Und diese sind die Ersten, die ihnen helfen könnten. Aus einer Eingebung heraus bot er einigen Obdachlosen in seiner Umgebung an, eine Botschaft für ihre Familien aufzunehmen. Mit dem Handy, ganz simpel. Er recherchierte in Netzwerken ihrer Heimat nach ihren Familien und fand sie, in dem er in das Video in dortigen Facebook-Gruppen postete. Auf diese genial einfache Weise gelang es ihm mit Miraclemessages, ca. 40% der Teilnehmer von der Straße zu bekommen.
Söhne, die sich nach 20 Jahren melden, Väter, die ihren Kindern einen Gruß senden... was für eine unglaublich starke Botschaft. Seht selber:
Selber ausprobieren? Dazu hab ich in einem GoogleDoc mal ein paar sehr einfache Grundregeln aus der Do-It-Yourself Praxis zusammengestellt: 5 Tipps für Handy Videos
Ich halte Video-KnowHow heutzutage für absolutes Basis-Handwerkszeug in der NonProfit Kommunikation. Es ist inzwischen soooo einfach und Video ist schon lange Content No1 in den sozialen Medien. Per Handy ist jeder heutzutage in der Lage, überall auch ganz spontan Videos aufzunehmen. Nutzt es!
Videoschnitt?
Videos drehen ist nicht schwer, Schneiden dafür umso mehr.
Viele nutzen den Windows Movie Maker oder ähnliches. Nachteil: zu limitiert. Andere nutzen Profiprogramme wie Adobe Premiere. Nachteil: Viel zu lange Einarbeitungszeiten - das ist was für Profis. Für die goldene Mitte habe ich auch nach Jahren nur ein Programm gefunden, das ich empfehlen kann - es ist perfekt für Einsteiger, allerdings muss man beim Installieren aufpassen, wegen Zusatz-Software. Es kostet wenige Euro und ist sein Geld allemal wert: Video Pad Editor von NHC (ca. 45,-€)
Und wer sich nicht an den Schnitt traut: Wir bieten dafür günstige Stundenkontingente an.
Organe spenden - ein leicht morbides Thema, und doch haben sich die Leben-ist-Teilen-Kampagnenbetreiber des schweitzer Bundesministeriums für Gesundheit auf Humor als tragendes Element verlegt. Von mir dazu zweimal kurze Gedanken bzw. Tipps:
1) Humor geht immer!
Kaum ein TV-Spot kommt ohne Humor aus. Online ist das kaum anders. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Es gibt kein Thema, bei dem sich Humor verbieten würde. Kürzlich haben wir eine humorvolle Youtube-Serie mit und über Flüchtlinge gestartet (Zukar), und es ist eines der erfolgreichsten Medienprojekte zum Thema 2016 geworden.
Ein Mitarbeiter eines Ministeriums meinte einmal zu mir: "Unsere Videos dürfen nicht lustig sein. Weil wir ja keine Unterhaltung machen dürfen." - nun, das ist erstens nicht wahr (die Schweizer hatten keine Scheu, und kein Gesetz verbietet das) und zweitens auch professionell nicht richtig. Humor ist nichts anderes als ein Kommunikations-Tool. Warum soll man nicht Humor für ernste Zwecke Nutzen?
Es behauptet doch auch niemand, Politiker dürften nicht hübsch sein, Medizin nicht gut schmecken und Unterricht nicht spannend sein. Ganz ehrlich, in welcher Welt leben manche Kommunikations-Abteilungen?
Humor ist Menschlich, macht uns menschlich und verbindet Menschen.
2) Wie geht Humor?
Es gibt einen zweiten Spot derselben Kampagne. Hier ist der Humor nicht ganz so stark - es ist nicht so witzig wie der Spot oben:
Der Grund? Jeder gute Witz benötigt eine dramturgische Wendung am Ende - die Pointe. Die muss dann auch sehr überraschend und absurd sein, aber dem Vorangegangenen einen komplett neuen Sinn geben. Dazu darf man zunächst mal NICHT wissen, dass die beiden über eine Klippe hängen. Oder in Lebensgefahr schweben, wie auch immer. Der erste Spot erhöht diese Spannung dadurch, dass auch das Thema Organspende nicht gleich klar ist. Dadurch wird die Wendung verstärkt. Beim zweiten Spot hingegen wissen wir vom Thema Organspende schon vor der Pointe - und können erraten, dass beide wohl in einer brenzligen Situation sind. Wie macht man Humor? Dadurch, dass man Spannung aufbaut und dann möglichst schlagartig auflöst - wie bei einem Flitzebogen. Und darum fliegen lustige Videos wie ein Pfeil auch weit hinaus und erreichen unsere Zielgruppe.
Die Sommerferien sind vorbei - und der nächste Trend jagt durch die Youtube-Welt: Virtual Reality 360° Videos - prominent hier von den United Nations zum Thema Ebola.
ACHTUNG - das Video sollte man auf einem Smartphone ansehen und dabei mal eine Pirouette machen.
Ja - es ist schon sehr beeindruckend. Und gerade startet auch in Deutschland Google eine 360° Challenge für junge Leute, die Videos zum Thema "Gemeinsam gegen Hass" prämieren. Virtual Reality NonProfit Videos sind sicherlich nicht das neue große Ding, Virtual Reality aber schon - man denke an den Pokemon Sommer, den wir hinter uns haben (oder nicht).
Die Produktion von 360° Video ist jedenfalls heute kein Hexenwerkt ist - die 360° Kamerasetups gehen bei Ebay für 150 € über den virtuellen Ladentisch - und geschnitten wird bei einem normalen Video (Tutorial für Adobe Premiere hier), den Rest erledigen dann Youtube und die Smartphone Bewegungssensoren.
Zunächst mal sind diese Videos einfach ein neues Gadget - und daher eher für junge Zielgruppen interessant.
Die UN hat mit Waves of Grace dennoch Bronze bei den Lions in Cannes 2016 bekommen, obwohl das nun wirklich nicht eine Jugend-Thema ist, aber naja, sie waren vielleicht die ersten mit 360° Videos. Sehenswert ist das allemal. Und weil das Storytelling viele NonProfit Organisationen darin besteht, den Zuschauer mitzunehmen in die Zielregionen der Hilfsarbeit, kann es durchaus einen ganz neuen Einblick bieten, den es so noch nie gegeben hat: Mitten in der Szene zu sein.