Sonntag, 12. Juni 2016

Das Video vom unbelasteten Helfer.


Video der Woche

Ging der letzte Post um Peru, so kommt das heutige Video aus Brasilien: Diese TV- und Online-Videokampagne handelt von einer ganz besonderen Aktion für Flüchtlinge - und anders als in unser polarisierten Debatte in Deutschland ist der Helfer hier 100%ig unvoreingenommenen.

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Das besondere ist die Perspektive: Der Hund erzählt - aber das erfahren wir erst am Ende. Die Spannung wird genau durch diesen dramaturgischen Kniff aufrechterhalten. Die Auflösung des Rätsels kommt zeitgleich mit der Linderung, die der Therapiehund dem geflüchteten Kind bringt.

Lernstückchen No1: Emotionale Doppelung ist immer Verstärkung. Wenn Story & Dramaturgie den Zuschauer auf mehreren Ebenen zur selben Erfahrung oder Emotion führen.

Aber auch sonst ist die Aktion der NGO Inataa aus Sao Paolo beeindruckend.

Lernstückchen No2 : Ja, auch nach Brasilien fliehen Menschen aus Syrien.
Traurig aber wahr: Kriege haben immer globale Folgen. 

Sonntag, 22. Mai 2016

Ich will Dich! - Ein Lehrstück als Seifenoper.


Video der Woche

Ein Lehrstück in Dramaturgie, dieses Video aus Peru - und auch das richtige Medium, nämlich Seifenoper:

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Seifenorpern sind in Lateinamerika - wie auch in Indien - TV-Volksdroge Nr 1, und ratet mal das Geschlechterverhältnis der Zuschauer.

Dieser NonProfit TV-Spot setzt auf genau dieses Format - und nutzt dann einen doppelten Spannungs-Effekt, nämlich Neugier aufgrund der Irritaton und natürlich die gute alte Steigerung:
  1. Alle Seifenopern-ZuschauerInnen wollen vor allem eines wissen: Kriegen sie sich am Ende? Oder nicht? Die ganze Szene hier steuert auf Laura's JA oder NEIN zu..
  2. Ab dem Augenblick, an dem unser Held plötzlich harte Wahrheiten in blumige Worte kleidet, fragen wir uns alle: Warum? Wo geht das hin? Und warten natürlich bis zum Ende, 
Und die Antwort ist dann auch perfekt terminiert: Auf dem Gipfel der Spannung.  Das Video bricht genau an der Stelle ab, an der wir Laura's Antwort erwarten. Und liefert seine Botschaft aus: Eine Telefonnummer.

Zielpublikum: FernsehzuschauerINNEN, davon ganz sicher eine Menge, die genau diese Notrufnummer des Flora Tristán Frauenzentrum in Lima kennen sollten.

Erstaunlicherweise liegen nämlich 14 der 25 Länder mit der höchsten Gewalt gegen Frauen nicht in der arabischen Welt, sondern in Lateinamerika (International Policy Digest).

Lektion: Nicht nur die Story, auch das Erzähl-Format muss möglichst gut zur Zielgruppe passen! Eine Binsenweisheit eigentlich, aber ich staune immer wieder, wie oft das übersehen wird...

Sonntag, 8. Mai 2016

Bibbern im Kino


Video der Woche

Was ist besser als Virtuelle Realität? Nur die echte Realität. In dieser Selbst-Erfahrung im Kino kommt beides gut zusammen: Drehen wir die Heizung im Kino mal runter...und bitten dann um Spenden für die Obdachlosen draußen vor der Tür.

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Macht natürlich nur im Winter Sinn. Die FiftyFifty-Gallerie in Düsseldorf verkauft eigentlich gespendete Kunstwerke hoher Qualität und erwirtschaftet damit Spenden für Obdachlose.

Die Spenderklientel findet sich auch in Programm-Kinos, und hier können kleine Werbevideos  hervorragend zielgenau und regional eingesetzt werden.

Die Idee, daraus gleich noch eine "Selbsterfahrung" gepaart mit Wärmedecken & QR-Code zur Spendenseite zu machen, kann man nur bewundern. Spender können direkt im Kinosaal spenden. Daran nämlich kranken viele Kinokampagnen - bis zu Hause hat der Effekt sich beim Kinobesucher wieder verloren, und dann muss man ja auch noch irgendwie nach der Spendenseite googlen?
Nicht sehr aussichtsreich.

Man sollte aber auch nicht vergessen, dass die Agentur hinter der aufwendigen Produktion, Havas Worldwide, die Kampagne selber gespendet hat. Günstig war der Spass nämlich nicht, wenn man die Produktionsqualität betrachtet.

Dennoch, Hut ab - und wir können daraus lernen: Es gibt immer einen Weg, die Spendenstrecke zu verkürzen. 

Sonntag, 24. April 2016

Rassismus gesucht - Wahrheit gefunden!


Video der Woche

Wenn nicht nur das Video kreativ ist, sondern auch die technische Umsetzung und Einbettung - das bekommt bei mir immer einen Bonus. Hier eine Kampagne, die nur auf Youtube technisch möglich ist: Die "Zwangs"-Werbesekunden vor Youtube-Videos werden hier zum Fenster für Aufklärung - bei genau der richtigen Zielgruppe: Denjenigen, die aktiv nach rassistischen Videos suchen.

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Flüchtlinge Willkommen - die Berliner Kampagne ist ursprünglich für ihre private-WG-Zimmervermittlung an Flüchtlinge bekannt geworden.

Mit der Kampagne Search Rassism - Find Truth werden sie aber wohl noch bekannter werden.

Es gibt viele "Aufstehen gegen Nazis"-Aktionen, und viele bleiben komplett in der eigenen Filter-Bubble. Manche sind auch eindeutig auf Konfrontation angelegt. Diese hier hingegen setzt gegen Vorurteile eine kurze, echte Begegnung mit denen, um die es geht: Flüchtlinge selber kommen zu Wort. UND die Umsetzung ist so einfach wie genial: Werbeschaltung nach Schlüsselwörtern. Sucht jemand nach "Flüchtlinge sind wegen Geld hier" - dann bekommt er vorher kurz diese Video zu sehen:

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Kann das funktionieren? Ja, das kann es - zumindest weit besser, als alle sonstigen Aufklärungsfilme, die von der eigentlichen Zielgruppe ja doch nicht aktiv angeklickt werden. Die Pre-Roll-Videos bei Youtube sind zumindest ein kurzes offenes Fenster.

Da ich selber Firas Alshater als Produzent betreue, kann ich bestätigen, dass auf unseren Seiten NACH der Schaltung des Prerolls mit Firas tatsächlich eine Menge kritische Stimmen bei uns in den Kommentaren erschienen sind - und einige davon haben durchaus erste Zugeständnisse und Einschränkungen zu ihrer Haltung gemacht, neben den üblichen Hatern. Das zeigt: 1. Zielgruppe erreicht - und 2. Ja, es ist eine positive Wirkung zu erkennen.

Darum Daumen hoch von mir - I like it!

Samstag, 9. April 2016

Migranten lesen böswillige Tweets


Video der Woche

Nicht nur in Deutschland diskutiert man gerade heiß über Migranten-Themen. Hier eine erfolgreiche Formatidee: Lass die Betroffenen zu Wort kommen. Wanderarbeiter in Singapour lesen Hass-Postings über sich selber vor - und dürfen reagieren.

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FamiliarStrangers ist eine Mini-Aktion in dem Tigerstaat - aber mir ging es vor allem um die Format-Idee, die deutlich alle anderen Videos der NGO übertrumpft hat (um den Faktor 50 etwa)
Haterkommentare lesen - das gibt es darum auch häufiger. Ich denke an den Prank "Übersetz mir mal diese Mail" - bei der Migranten Fremde darum baten - ihnen eine rassistische Mails zu übersetzen.

In den USA ist "Celebrities read mean tweets" inzwischen ein volles Erfolgformat. Ich persönlich finde besser, Betroffenen eine Kontermöglichkeit zu geben - denn hier werden sie aus der Einbahnstraße solcher Kommentare geholt.

Etwa hier, in Deutschland haben neben Reportern, Jan Bömermann und den Grünen einmal Schwule und Lesben reagiert - und zeigen dabei einfach ihre eigene lockere Art - symphatischer geht es kaum:

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Na? Vielleicht auch für Deine NonProfit-Orga eine Idee?

Sonntag, 3. April 2016

Frauen, Männer - und der kleine Unterschied.


Video der Woche

Kleine aber feine Video-Twitter-Kampagne aus Belgien über den "Wage Gap" zwischen Männern und Frauen - von einer ganz besonderen Figur:

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Equal Pay Day ist eine Gemeinschaftsaktion mehrerer Frauenrechts-Organisationen, die zum 8. März 2016 - dem internationalen Frauentag - den Hashtag #paymelikeaman aut Twitter mit dem Video gelauncht haben,

Dass es mehr als nötig ist, kann man schon an den Kommentaren unter dem Video sehen. Aber mir hat besonders die schlaue Kombination des Transgender-Themas gefallen. Ein Mann, der WIRKLICH erlebt hat, wie es sich als Frau anfühlt. Das ist einfach nur klug und authentisch, denn es ist eben kein "social experiment" - sondern er weiß nun wirklich, wovon sie spricht.

Sonntag, 13. März 2016

Erklärvideo...für Sex!


Video der Woche

Erklärvideos können immer noch sexy sein...gewissermaßen.

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Ein SOLCHES Video kann ja nur aus England stammen!
Und so ist es auch - die Thames Valley Police nutzt den Clip für ihre Kampagne #ConsentIsEverything, der man kaum etwas hinzufügen kann. Außer vielleicht, dass in Deutschland bei Vergewaltigungsfällen rechtlich auf ein klares "Nein" gepocht wird, oder aber gebrochene Knochen, um tatsächlich eine Vergewaltigung nachweisen zu können. Die Beweislast liegt beim Opfer. Vielleicht einer der Gründe, warum hierzulande so selten angezeigt wird, dabei haben wir laut Wikipedia eine höhere Vergewaltigungsrate als Indien (laut Wikipedia ca. 3 mal so hoch, ja, da staunt man,oder?)

In England hat sich die Sache zum Glück verändert. Hier muss der Täter ein klares "JA" nachweisen. Das Gesetz ist kürzlich zugunsten der Opfer geändert worden. (Mirror Bericht)

Video der Woche - weil alltagstauglich


Was mir an dem Video gut gefällt: Die Übertragung auf einen selbstverständlichen Alltagsvorgang - Tee trinken. Das macht eine unbefangenere Diskussion möglich. Denn über Vergewaltigung gibt es ansonsten wahre Kreuzzüge und Shitstorms im Netz. Stattdessen gab es hier kreative Diskussionen und sogar Zynismus-freier Humor in den Kommentaren - und das Video hat extrem viele Likes erhalten und kaum Dislikes. Es wurde mehrfach geteilt und hat in allen Varianten fast 10 Millionen Youtube-Views sowie hohe Verbreitung in den Medien erfahren.

Jemand schrieb z.B. "Aber wenn ihn keiner trinkt, darf ich den Tee dann selber trinken?" - es entspannen sich wirklich mal angenehme und hilfreiche Diskussionen, weil man ja nur über Tee redet.

Ähnlich haben wir es kürzlich im Video "Ich habe nix gegen Katzen, ABER.." gemacht. Hier wurde die Flüchtlings-Diskussion ins Tierreich verlegt.
Und so wurde es schon vor hunderten Jahren mit Tier-Fabeln gemacht. Ein guter Storytelling-Trick für Euch Campaigner. Noch was: So ein Video ist extrem günstig zu produzieren, mal nebenbei bemerkt.

Und jetzt einen Tee, oder?