Sonntag, 18. Oktober 2015

Marsmensch im Klassenzimmer


Video der Woche

Ein Gruß an alle Neu-Leserinnen und Leser nach dem sehr gut besuchten Webinar letzte Woche (Rechts anmelden, dann kommt das Montagsvideo auch per Mail zu Euch).

Aus Chile kommt dieser Unicef Spot vom 11. August und hat bis jetzt 8 Millionen Aufrufe geschafft:


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Wer genau nachgesehen hat - der Youtube Spot hat nicht so viele Aufrufe. Stimmt - denn hier handelt es sich um eine Facebook- (und TV) Kampagne auf UNICEF Chile's Facebook-Kanal. Das Video ist kein Youtube-Link auf FB sondern dort generisch hochgeladen worden. Noch streiten die Spezialisten, ob das gut ist oder nicht - ich wäre immer für Beides.

Wie schon im letzten Märzartikel über Homosexuelle Aliens ist hier eine herrliche Geschichte gewoben worden - für ein Chilenisches Publikum, wohlgemerkt. Oh ja, das funktioniert nicht überall! In den USA hat der Spot eine wahre Flut an Verschwörungsvideos ausgelöst - von der "Reptilien-regieren-heimlich-die-Erde" Fraktion (z.B. hier) bis hin zu den christlichen Fundamentalisten, die hier satanische Machenschaften am Werke sehen (z.B. hier).  Zum Glück sind die Chilenen mehrheitlich katholisch, das ist zwar sehr konservativ, aber man behält wohl auch alle Tassen im Schrank und hat mit Außerirdischen eher kein Problem.

Was bei den einen passt, geht bei den anderen voll daneben! 

Ja, so ist es leider, jede Zielgruppe hat ihre ganz eigene Kultur, Ängste und Interpretationsmuster. Das hat mich z.B. dazu gebracht, eine Agentur um dieses Thema herum zu gründen, Okayfactor, die ich hiermit gerne der Weltöffentlichkeit anempfehle - dort gibt's übrigens auch einen spannenden Blog:




Montag, 5. Oktober 2015

Call of Duty? Duty of Care!


Video der Woche


Für die nicht-Gamer unter Euch: Call of Duty ist das bekannteste Egoshooter Spiel überhaupt - wird verdächtigt, Teenager zu Amokläufen zu animieren. Äh...über solche Verschwörnugstheorien soll es hier aber nicht gehen. Nur damit Ihr das Wortspiel versteht. Das Video heißt "Duty of Care" - und ist 1:1 dem Call-of-Duty Spiel nachempfunden. Spielt allerdings in Syrien...Ihr wisst, was kommt.


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Gestellte Syrien-Videos an sich und "was wäre, wenn" - die haben derzeit ja Konjunktur. Man denke an die Guerilla-Akton If Surrey Were Syria oder das berühmte "Most Shocking Second A Day"



WarChild fällt da etwas aus dem Rahmen. Darum hab ich es zum Video der Woche gemacht:

Keine alten Kamellen für neue Zielgruppen 


Während die meisten Kampagnenvideos sich an die beliebte Zielgruppe der 'Affinen Supporter' richten - das sind Mittelklasse-Bürger, Akademiker und vor allem Familienmütter und Väter - richtet sich Duty-of-Care an eine jüngere Zielgruppe. Ich hab mich in meinem Jahrgang (70) umgesehen  und bei meinen Nachbarn: Die zocken eher nicht Call-of-Duty.

Die Kommentarspalte unter dem Video zeigt bei näherer Betrachtung auch, dass die Idee aufgeht. Einer schreibt "Press X to show respect!" - ein Gamer, ziemlich sicher. Da kommen 16jährige Manga-Fans, Zocker und Nerds und sind beeindruckt - Leute, die sich vielleicht sonst nicht so für 'Politik und so' interessieren.

Darum auch von mir "einmal X für Respekt" gedrückt, für die mutige Kampagne von War Child UK!

Montag, 28. September 2015

Schattenkinder


Video der Woche

Ja, das Video hat auch mir mal wieder Gänsehaut verschafft...bin ja ein abgebrühter Filmemacher. Dennoch.


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Gemacht von der UK-Version der Welthungerhilfe, Human Appeal, mit derzeit über 300K Abrufen.

Storytelling


Aber nicht darum ist es Video der Woche. Sondern weil es zum Storytelling was zu lernen gibt. Ich verrate Euch was: Die einzelnen - teils ekeligen - Strukturen und Gebilde sind eigentlich eine Kunst - Skulptur, und die hat eine tiefere Bedeutung. Steht auch in der Youtube-Beschreibung unter dem Video genau aufgeschlüsselt.

Jeder Bestandteil der Skulptur repräsentiert Aspekte der Arbeit von Human Appeal in 25 Ländern auf drei Kontinenten. Da will man doch noch mal genauer nachsehen...und das kann man direkt unter dem Video. So erzeugt das Video über den Gaming-Faktor (Suchbild) gleich ein Interesse für verschiedenste humanitäre Einsatzgebiete - und bei den Zuschauern fällt das ein oder andere vielleicht auf fruchtbaren Boden und bringt ihn/sie dazu, sich weiter zu informieren.

Was noch?


Diese Kampagne hat den muslimischen Ramadan als Anlass genommen. Human Appel ist aber keine muslimische NGO. Doch im Ramadan gedenkt man besonders der Armen und zeigt Solidarität. Gibt es im christlichen Festkalender etwas Vergleichbares? Also St. Martin vielleicht - aber das war für mich immer Bretzelessen mit Laterne Laterne singen....naja.

Montag, 21. September 2015

Gute Taten für goldene Löwen


Video der Woche

Refugees Welcome - so tönt es gerade auf den großen Transitbahnhöfen Deutschlands.
Winkende Hände, Hype ohne Ende.
Ganz ehrlich? Ich misstraue dem neuen Deutschen Sommermärchen (ähnlich wie die Neue Züricher Zeitung). Das hält meist nur ein paar Wochen.

Für dieses Thema hab ich mir dieses sehr ehrliche Video aufgehoben - ähnlicher Fall: Von Mai bis Juni tobt der weltweite Goodwill-Wahnsinn. Aber dann...


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Nachhaltigkeit sieht anders aus. Dieses Video ist ähnlich wie die Fundraising-Satire der Rusty-Radiator Awards sicher behaltenswert - es richtet sich an uns, die kreativen Charity-Campaigner.

- i n t e r n e s -
Letzte Woche war keine Zeit für ein Video der Woche, Sorry - wir stricken gerade an unserer neuen Agentur "Okay Factor" und an einer Webseite von Flüchtlingen für Flüchtlinge - jenseits des Hypes und von den Betroffenen selber, statt "über" oder "für" sie. Ich musste daher beim Bloggen etwas kürzer treten.


Sonntag, 6. September 2015

Wer hat Angst vor Cola?


Video der Woche


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Dieser TV-Spot von Greenpeace Australien ist geradezu der klassische Non-Profit-Clip. Die Dramaturgie folgt allen Regeln der Kunst:

  1. Vorahnung: Der Auftakt, sieht wie ein klassischer Coke-Spot aus. Wir sehen dennoch weiter zu: Die Überschrift "Stopp Coka Cola" lässt nämlich mehr erwarten. Das nennt der Dramaturg auch "Foreshadowing" also "Vorab-Andeutung".  Jeder weiß, dass der Film so nicht sehr lange weitergehen kann - das erzeugt Neugierde & Spannung.
  2. Dramaturgische Wende - als der erste Vogel vom Himmel fällt und die Musik abbricht. Hier wird das Versprechen also eingelöst. 
  3. Aktion statt Worte - die herabfallenden Vögel sind der Handlungsträger, nicht irgend ein Sprecher, der uns ermahnt, wie böse doch die Getränkeindustrie ist. Merksatz: Sag es ohne Wort - das wirkt stärker.
  4. Eindeutiger Call To Action - er ist glasklar formuliert - und das Bild liefert auch sofort die Motivation für so gut wie jeden Umweltschützer: Unsere Kinder und ihre Zukunft. Dieses eindrückliche Bild von dem Jungen, der verstört vom toten Vogel aufblickt. Mich erinnert das an die Mahnung des toten Flüchtlingsjungen Ailan am Strand, die gerade in unseren Medien herumgereicht wird. Und die eine immense Wirkung hat. So auch hier. 
Wir lernen: Worte sind schwach, Handlung ist stark!

Ein Verbot als Marketingstrategie


Australiens öffentliche TV-Anstalten haben den Spot abgelehnt. "Unangemessen" wurde er genannt. Für Greenpeace ist die Erklärung einfach: Das Werbebudget von Coka-Cola bei eben diesen Sendern ist immens. Hmm...es sind aber doch öffentliche, also steuerfinanzierte Sender? Also so was wie ...ähm..."unabhängig"? Naja, geschenkt. Versucht mal einen Sparkassen-kritischen Artikel in einer Kleinstadt-Zeitung unterzubringen, die von eben jenen Sparkassen-Inseraten lebt...

Doch als Vermarktungsstrategie hat genau diese Weigerung der Sender ganz hervorragende Dienste geleistet, denn ein solcher Skandal hebt eine Kampagne natürlich in die mediale Öffentlichkeit. Zeitungen, Blogs, News-Netzwerke - sie alle berichten darüber. Und diese Multiplikatoren sind es, die eine virale Verbreitung erst möglich machen. Womit Greenpease sein Werbeziel sehr wohl erreicht hat - und auch noch ganz ohne TV-Werbekosten.

Oh, ein Hintergedanke, ganz harmlos: Was meint ihr, ob sie das vielleicht sogar geplant haben? Ich denke ja, als Plan B, wenn TV nicht klappt. Also egal auf welchem Weg: Sie konnten nur gewinnen! Greenpeace setzt bei Kampagnen seit Jahrzehnten auf diesen Effekt. Mit Erfolg!

Wir lernen: Never change a winning distribution strategy! 

Sonntag, 30. August 2015

Papa, was machst Du hier?


Video der Woche


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Die British Heart Foundation - Produktionen sind inzwischen in England geradezu Inbegriff erfolgreicher Viral-Videokampagnen geworden. Erinnert Ihr Euch an die grandios-urkomischen Vinni Jones Wiederbelebungs-Videos? Von der Sorte haben die noch mehr in ihrem Kanal.

Doch trotz der extrem starken Story hat dieser Spendenaufruf hier in meinen Augen einen Kapitalfehler begangen: Das Spendenargument ist schwach!
Für ein Awareness-Video wäre es perfekt, für ein Fundraisingvideo aber...? Ich glaube da ist es knapp daneben geschossen.

WARUM soll ich spenden?


Die beste Story muss mir klar machen, wieso meine Spende gerade hier und jetzt benötigt wird. Und obwohl das Video in allem sehr stark ist (sehr gute Schauspieler, sehr gute Regie, sehr gutes Script) - in diesem Punkt schwächelt sie.

Die dramaturgische Verknüpfung ist viel zu allgemein und über zwei Ecken:
"With your support our research can help end the devastation"
Was ist schon "devastation"/"Verwüstung/Verheerung"? Weder hätte dieser Papa gerettet werden könne, nein gerade hier war ja das herzlose Schicksal am Werke, er hat nix falsch gemacht. Noch suchen wir Hilfe für einen anderen. Papa. Nein, wir spenden für Forschung. Und gegen die allgemeine schlimme Situation. Zwei Abstraktions-Ebenen. Und das sind zwei zu viel im Kampf um den Spender. Virales Potential ist da - aber der ROI (return on invest) wird diesmal geringer sein, vermute ich (ist ja erst ein paar Tage alt, das Video hier)
Dabei bin ich Zielgruppe, ich bin Papa - und mir meiner Sterblichkeit wohl bewusst. Aber es rockt mich nicht, dort zu spenden.
Euch?

Dennoch: Chappeau für den genialen Film - hochkomprimiert. Und Geister sind grade en vogue, oder? Siehe "Die Geisterstimme im Kopf"

Samstag, 22. August 2015

Babysitter Wahnsinn


Video der Woche

Der Babysitter, der man nicht sein möchte...:

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Red Cross America hat auch einen Erziehungsauftrag, nämlich zur Ersten Hilfe - und dieser TV-Spot richtet sich an die Zielgruppe der Babysitter - ein besonders prekärer Bereich mit höchster Verantwortung. Call to action: Nimm an unseren Erste-Hilfe-Ausbildungen teil! Ein Recruiting-Video also.
Der Clip der Agentur BBDO (mal wieder) hat den perfekten Distributionsweg gewählt, denn wenn Babysitter in den USA eines qausi permanent machen, dann Fernsehen. Ganz anders, als z.B. hier in Deutschland ;-)

Die Comedy spricht dabei die Sprache, die allen Teens - weltweit - sehr gut bekannt ist: Die des Sitcom-Humors. Auch das ein perfektes Tool. Ich hab selber sehr gelacht. Übrigens kleines Ratespiel: Der Supermann-Knirps kommt zweimal vor, habt Ihr es gesehen? Sonst noch mal schauen.