Viele NGOs bestellen Stars & Celebrities zum Fotoshooting für ihre Kampagne. Warum nicht gleich ein Video erstellen? Kann bei guten DSLR-Fotoapparaten sogar mit demselben Gerät gemacht werden (Externes Mikro nicht vergessen!). z.B. ein Kurzinterview: Statement des Stars zur Kampagne - wer keinen Teleprompter zum Ablesen hat - ein großes weißes Blatt, mit Edding draufschreiben und direkt über die Kamera halten, das tut's auch.
2) Kamera-Amateure einbinden.
Youtube macht's möglich, sehr einfach auch hochwertige Videos in Full-HD Qualität hochzuladen (Etwa Iphone-Videos). Sie können mit Plugins wie "Download helper" oder "Youtube Downloader" in fast jedem Browser direkt heruntergeladen und weiterverarbeitet werden (besser mp4 als flv wählen, und immer beste Qualität). Oder schneide mit dem "Youtube Editor" Videos direkt online zusammen. Viele Menschen haben durchaus gutes Kamera-KnowHow. Schnitt hingegen sollte man immer inhouse oder durch Profis machen lassen.
3) Aus 1 mach 3
Aus einem Video mehrere machen. Konzept so wählen, dass ein hochwertiger Rahmen von Profis produziert wird, in den sich aber viele Amateur-Aufnahmen einbauen lassen. So entstehen kostengünstige Video-Reihen, außerdem wird user-generated contend verwendet. Und...diese User sind zugleich die beste seeding Gruppe.
4) Selber drehen
Ein kurzer 1-Tages-Workshop "Kamera & Ton für Videojournalisten" reicht aus, um Anfängerfehler zu vermeiden. Dann noch günstiges aber sinnvolles Equipment kaufen - hier gibt's Tipps vom Profi im "Technik 1x1" - und schon kann eine Videoproduktion nur noch halb so viel kosten - denn ich bleibe dabei: Im Schnitt passiert die Magie - und wenigstens da sollte man über Profis nachdenken, oder jemanden in der NGO dafür ausbilden.
5) Bilder animieren
Mit gut animierten Fotos - im Wechsel mit Videos - und eine Sprecherstimme kann man sehr günstig auch Impressionen aus mehreren Ländern in einem Video vereinen (gute Stimme nehmen!). Sehr hochwertige Multimedia-Reportagen gibt es hier zu bewundern.
Video als Fundraisingtool - darum ging es am 18.4.2012 beim Deutschen Fundraisingkongress. Wichtigstes Ergebniss: Filme ohne Mehrwert oder Unterhaltungswert für den Zuschauer haben im Internet keine Chance: Die Teilnehmer haben versucht, dies in einem lustigen Tutorial - mit Mehrwert für EUCH - umzusetzen:
Das war 300 v.Chr. nicht anders wie 2012 im Web 3.0. Aber die Tontafel ist durch das Smartphone ersetzt worden - ebenso zerbrechlich, wenn es runterfällt, aber passt gut in die Hand.
1. Was ist web 3.0?
Web 3.0 ist vor allem eine neue Art der Vernetzung: Nicht mehr PC-Informationsabrufe (Web 1.0) oder Interaktivität (Web 2.0) sondern absolute Flexibilität des Zugangs.
Drei Stichworte: Mobilität, Semantik und Personalisation
Neu ist vor allem die absolute Mobilität. Die User-Identität hat vom lokalen PC auf eine Online-Präsenz gewechselt, die von mobilen Geräten aus zugänglich wird.
Das Device der Zukunft ist entsprechend das Smartphone oder der Tablet-PC - beides höchst personalisierte Devices. Der Browser ist ersetzt worden durch kleine Apps, Programme, die spezifische Aufgaben fast im One-click Verfahren erledigen.
Neu ist auch die personalisierte Playlist - LastFM bietet uns ein Radio mit Auswahllisten nach unserem Geschmack, Youtube lässt es zu, dass wir unsere Auswahl mit Freunden teilen und die News-Apps auf unserem Smartphone versorgen uns mit Sparten-Nachrichten und lassen alles weg, was uns nicht interessiert.
Ein Fundraising-Video, das ganz auf Smartphones augerichtet ist, haben wir für die Johanniter gedreht:
Das Video wurde in einem projektbezogenen Zeitungsbeileger zum Download via Smartphone-App angeboten. Ergebnisse stehen noch aus und werden auf einem Workshop beim Fundraising Kongress 2012 in Berlin präsentiert werden.
2. Videos im web 3.0
In diesem Umfeld sind Videos nur Teil eines Ganzen - und über Ihre Nutzung stimmt der Zuschauer ab, schon bevor er überhaupt davon erfährt. Für Fundraising-Videos heißt das: Nur mit den richtigen Metainformationen, die das Video beschreiben und einordnen (Tags, Klassifikationen, Seeding-places, Bewertungen), erreicht es den Zuschauer überhaupt. Danach muss es ihm natürlich auch noch gefallen oder einen Mehrwert für ihn haben - sonst gibt es den death-by-click. Das Web 3.0 ist semantisch, und Videos müssen eine Bewertung mit sich führen, die dem Rechnung trägt. Das geschieht nicht nur über Tags. Videos werden angewählt über:
Google Stichwortsuche - die sich inzwischen ebenfalls an den Uservorlieben ausrichtet (semantische Ergebnisliste)
Youtube-Vorschläge (Tag-basiert und über User-Verhalten gesteuert)
Persönliche Empfehlung aus sozialen Netzwerken (Facebook, Google+ usw)
Kleiner Tipp: Meist zählt als Auswahlkriterium das Vorschaubild mehr als jeder Text.
Der beste Weg ist immer noch die persönliche Empfehlung. Denn bin ich einmal in einer Playlist oder einem Social Network, dann kann dies alleine schon enorm zur Verbreitung führen.
3. Fundraising Videos müssen Bezahlverfahren des Web 3.0 anbieten.
Paypal, Moneybookers u.a. sind schon weit vorne dabei, aber noch besser ist es, direkt über die Handytarife zu gehen, da dies direkt mit dem mobilen Device verknüpft wird. Inzwischen haben ca. ein Viertel aller Verbraucher ein Smartphone (Studie 2011), das Videos abspielt - und fast jeder ein Handy.
Ein relativ einfaches Verfahren: Mit dem Handy per SMS - wie in einem unserer Videos geschehen:
Online und Offline bei der Flashmob-Veranstaltung wurde um Spenden per Handy-SMS gebeten für ein Charity Musical, bei dem über 400 Kinder teilnahmen. Seeding-Strategie war die Verbreitung über die teilnehmenden Kinder und Ihre Familien. Bei dieser Menge war das eine gute Ausgangslage. 3000 Views inzwischen.
4. Web 3.0 fähige Videos müssen als Stand-Alone funktionieren
Das bedeutet, sie können in jede andere Umgebung eingebettet werden, ohne ihren Fundraising-Charakter zu verlieren. D.h. die Fundraising-Verknüpfung muss im Video immanent enthalten sein, den Videolinks sind heute völlig abgekoppelt von ihrer Umgebung.
Zugleich macht es Sinn, Interaktive Funktionen (z.B. die Youtube-Weiterverlinkung durch Buttons im Video) zu nutzen, um das Video zum Teil eines Kampagnen-Netzwerkes zu machen.
Zugegeben - und das erleichtert vielleicht - Fundraising Video im Web 3.0 ist noch eine Spielwiese. Zum Thema Interaktiv haben wir erst ein Fundraising Kampagnenvideo in der Entwicklung, das noch nicht so weit ist, präsentiert zu werden. Alternativ hier aber mal eine Webseite, die ganz aus interaktiven Videos besteht, und das Prinzip klarmacht:
5. Nothing beats a good story - Web 3.0 hin oder her
Web 3.0 Storytelling - so etwas gibt es nicht. Es gibt nur Storytelling. Ein Video vermittelt mir einen Mehrwert an Unterhaltung, KnowHow, Gefühlen usw. - nur dann ist es Verbreitungs- und damit Fundraising-fähig. Im Video oben war der Mehrwert, dass sich die Teilnehmer selber sehen konntent - und darum das Video weitergegeben haben. Hier zum Abschluss noch mal die erfolgreichsten Kategorien bei Online-Videos (Erotik mal ausser Konkurrenz)
Me & My circles
Fun & Comedy
Unbelievable
Promis
Drama und Tragödie
KnowHow & Tutorials
Mehr dazu - und ein Workshop, bei dem ein Fundraising Clip mit den Teilnehmern erarbeitet wird - gibts beim Deutschen Fundraising Kongress 2012 Ende April mit Birgit Lembke von den Johannitern & uns.
2012 usw...ein Blick in die Zukunft
Drei neue Features werden die Zukunft im Online-Videobereich bestimmen:
Live-Videostreaming auf Facebook und in Wordpress-Books: Ein Beispiel findet am 21.1.2012 in Berlin statt: Eine Live Übertragung des Charity-Events "Tage des Zorns" - einem Konzert Syrischer Aktiviste. Die Videostreams können in der arabischen Welt empfangen werden, und TV-Sender dort werden sie verbreiten.
3D - Die neueste Generation der Smartphones besitzt eine Stereo-3D Screen (3D ohne Brille) - und wir entwickeln gerade den ersten deutschsprachigen 3D Fundraising Clip für die Deutsche Afrikastiftung.
Virtual Reality - Also eine geostatisch verortete virtuelle Informationsebene, die über mobile Devices Zusatzinfos zur realen Welt einblendet - auch hier gab es schon ein Kampagnenvideo:
Die Trends im Videocampaigning folgen der allgemeinen Entwicklung in der Kampagnenarbeit - hier die Schlagworte:
Interaktiv (web 2.0)
Personalisiert
Live und direkt
User generated content
Multichannel und Crossover
Was das für Kampagnen bedeutet, und wie es aussieht:
Beispiel "interaktiv": Düsseldorfer Kindertafel:
Die Kampagne verwendete interaktive Filme zum Fundraising - mit ansehlichem Erfolg, ca. 15T Euro kamen zusammen.Schlau war aber auch die angeschlossene offline-Kampagne (Multichannel!), bei der Geldstücke mit Aufklebern der Kampagne versehen wurden - die dann direkt gespendet werden konnten.
KNOWHOW - Mit Adobe Flash oder Freewareprogrammen werden Flash-Filme mit Klickbuttons versehen. Diese Buttons können auf weitere Filme hinweisen. Youtube unterstützt diese Funktion - allerdings sollte man versuchen, auf eigene Videoseiten zu verlinken, dort funktioniert die Weiterleitung wesentlich schneller.
COMMERCIAL - Bekanntestes Interaktiv-Video dürfte Tippex "A hunter shots a bear" sein
KREATIV - Terra Brasil hat ein Strip-Softpornvideo durch Interaktivität zu einem Jugendschutz-Kampagnenvideo umgestaltet - very funny!
Beispiel "personalisiert": Watch your web
Eine vom BMFSFJ geförderte Kampagne der Internationalen Jugendarbeit (IJAB) zur Aufklärung Jugendliche über die Sicherheit ihrer Daten im Web.
Einer der Kampagnenfilme kann personalisiert an einen Bekannten geschicht werden - mit dessen persönlichem Namen IM FILM. Ein Feature, dass in den USA seit ca. 3 Jahren häufig Verwendung findet (Bsp. MomsRising). Diese Kampagne hat zwar oberlehrerhafte Zügen, nichtsdestotrotz konnte sie sechstellige Klickraten generieren, vor allem durch das aufwendige Seeding und den Support offizieller Kanäle (Bildungseinrichtungen, Ministerien).
KNOWHOW - Mit Adobe Flash (oder freewareprogramme) können Klickbuttons u.a. interaktive Elemente in Videos eingefügt werden, die dann meist auf weitere Videos verlinken. Youtube unterstützt diese Funktion, eigene Webplayer müssen ggf. mit Plugins dafür erweitert werden.
COMMERCIAL -Einige personalisierte Commercials & Non commercials gibt es hier
KREATIV - BooneOakley, die wohl erste Webseite, die nur aus interaktiven Videos auf Youtube besteht.
"Live und Direkt": Oxfam 100km Spendenlauf als Public Viewing im Netz
Dabei wurd über die volle Strecke der Oxfam 100km Spendenlauf mit Webcast-Livestream ins Internet übertragen und dort zu einem web-public viewing gemacht (Bericht von Robert Dürhager, Oxfam).
Andere Beispiele in Deutschland waren der Greenaction Live-Stream aus dem Nordflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs in der heißen Phase der Auseinandersetzungen. Für viele politische Institutionen ist dies schon Standard.
KNOWHOW: Jede Webcam ist heute in der Lage, über die Freeware Adobe Media Live Encoder einen Stream zu generieren (HD ist nicht nötig). Plattformen wie Livestream.com bieten schon heute Internetstream-Kapazitäten und ganze online-Studioumgebungen kostenlos an. In der Realität ist dies jedoch oft zu unflexibel, daher sind Live-Streaminganbieter mit Tagespreisen ab 100 Euro zu empfehlen.
COMMERCIAL: Skype "Rob in the wilderness" - Livevideo von Rob, der in der Wildnis neben einer Telefonzelle campiert und dort angerufen werden kann.
KREATIV: .. ich finde die Skype Idee schon ziemlich gelungen - da sie zusätzlich auch personalisiert und interaktiv ist.
Beispiel für "user generated content": 24 hours of Darfur (2007)
Schon 2007 wurde User Generated Content für Kampagnenarbeit eingesetzt (Darfur), dann bei Obamas Wahlkampf - und heute ist es in der politischen und NGO-Arbeit ein festes Tool geworden - zuletzt war dies bei den verschiedenen Machtwechseln in Nordafrika zu verfolgen. So gesehen ein alter Hut.
Eine Studie von ComScor Ink ermittelte 2010 für den kommerziellen Bereich, das UGC die Effektivität von professionellen Video Ads erreicht hat und 40% der Marketingleiter planten 2010 die UGC-Videoeinbindung in ihre Kampagnen (Quelle). Allerdings gelten andere Regeln: UGC lässt sich nicht so einfach instrumentalisieren bzw. kontrollieren. Vielmehr wird eine Kampagne die User als Teilhaber der Kampagne verstehen müssen - in deren Themenspektrum eine Kampagne sich einfügen kann. In kommerziellen wie in gesellschaftlichen Kampagnen gibt es drei übliche Methoden zur UGC-Videoeinbindung: Wettbewerbe, persönliche (Gruß)weiterleitung und Witness-Videos.
KNOWHOW: Wer einen Youtube-Channel bedienen kann, kommt auch mit UGC-Videoeinbindung klar. Ein interessantes Tool ist Youtube-Direct zur redaktionellen Verwaltung von UGC-Video
Dies ist die Richtung, in die der Zug der Video-Kampagnenarbeit fährt. Ein paar Beispiele:
Livestreams auch in Facebook als Stream einbinden
Online-Videos mit Offline Kampagne verknüpfen (siehe oben Düsseldorf Kindertafel)
Besonders interessant zum Schluss:
Video & Augmented reality: Frauennotruf Nürnberg
Dieselbe Idee ist auch vom WWF für die Kampagne zum Schutz des Sibirischen Tigers umgesetzt worden. Mit der Verbreitung von Touchpads, Ipads und Smartphones wird dieses Einsatzgebiet in den nächsten Jahre für Kampagnen-Video Content von der Spielwiese schnell zum Place-2B werden.