Dienstag, 17. Februar 2015

Privatsender - Finger weg!


Ich weiß, dass meine Leser alle mit genug Hirn ausgestattet sind, um privat die "Privat"-Sender zu meiden.
Aber dann flattert doch mal ein Angebot einer Redaktion von Pro7 bis RTL2 auf den Tisch. Die eigene NonProfit Organisation könnte dort mal Teil einer der vielen "Reality-Soaps" oder Doku-Shows werden. Whoooah!!! Und da ist sie, die große Versuchung. Soll'n wir? Kostenlos in's TV - der Traum aller NGOs, die sich keine Werbezeiten kaufen können...dazu fällt mir nur eines ein:



Darum: FINGER WEG!

Ein grausiges aktuelles Beispiel: Clowns ohne Grenzen


Das Euch allen eine Lehre sein soll! Die Clowns ohne Grenzen - wer könnte sie bitte NICHT mögen? - hatten ein Pro7 Team mit nach Nepal genommen auf eine Reise.

Hier der Link zur Pro7-Mediathek mit der Folge.

Die Story der Serie: Olli Schulz geht ohne viel Vorkenntnisse in fremde Kulturen, um sich auch dort mal auszuprobieren - hier nun begleitet er die Clowns. Es wird vorher abgesprochen, dass er eine Show mit ansehen darf, bei der zweiten Show dann auch als Präsenter die Clowns vorstellt und beim Publikum einführt - eine Konzession der Clowns an das Konzept der Show, die Olli irgendwie einbinden muss in das Geschehen. So ist es abgesprochen (ich habe das bei den Clowns nachgefragt) - Monatelang haben die Clowns sich möglichst gut vorbereitet auf diesen Nepal-Einsatz.

Vor Ort kommt es dann anders - Olli verlangt nun plötzlich, beim Auftritt selber als Teil der Truppe direkt in der Show mitzumachen, würdigt die professionellen Clowns als Amateurtheater ab und spielt den ganzen Film durch die beleidigte Leberwurst, weil er keine Clownsnase bekommt. Kindischer kann man sich kaum anstellen - wie alt ist der Mann? - und das in einem hochsensiblen Einsatz in Krisengebieten. Die Sendung bedient etwa das Niveau eines Sechsjährigen, und damit tue ich wahrscheinlich allen Sechsjährigen ziemliches Unrecht.

Stellt Euch mal vor, er hätte bei den Ärzten ohne Grenzen plötzlich die Impf-Spritzen verabreichen wollen - so ungefähr ist das! Ein TV-Präsenter, der keinerlei Erfahrung mit Traumatas hat, plärrt dann vor Ort los, vor Kindern mit z.T. erschreckender Vergangenheit. Ein Kind, dass er in der Sendung bequatscht, und sich produziert, stiert ihn dann auch nur verständnislos an. Professionelle Reiseclowns sind da sehr viel behutsamer, halten sich zurück. Sie wissen, dass das bei einigen Kids extrem übel ankommen kann, wenn es zu laut wird. Kriegsneurosen nennen wir so was. Woher soll Olli es aber wissen? So weit so schlecht. Die Sendung geht on Air - und die Facebookseite der Clowns wird von Hatern und Trollen angegriffen ohne Sinn und Verstand. Ein einziger Pro7-Film hat gereicht. Niemand informiert sich - es geht nur um die Emotion und die Clowns werden niedergemacht von Leuten, die etwa genauso wenig Ahnung haben wir der Pro7-Mann oder dessen Redaktion.

No - Never - Nada


Ich selber arbeite professionell im TV- Film und Videobereich. Ich habe eigene Erfahrungen mit Privatsendern gemacht, durch die Bank schlechte ...und ganz schlechte. Ich arbeite aus Prinzip nicht mit den Privaten. Auch aus Gewissensgründen. No - Never - Nada! Es mag die eine oder andere NGO geben, die mal Glück hat - das Risiko ist aber VIEL ZU HOCH!

Und wenn Ihr noch 30 Min heute Abend Zeit habt: Ein NDR-Report über geradezu illegale Senderpraxis bei Privatsendern ist hier zu finden. Sehr sehenswert und erschreckend.


Youtube Direktlink


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